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Glaube ist lebenswichtig

Predigt in der Evangelischen Gemeinde Elim, 11.06.05

In verzweifelten Situationen kann es schon passieren, dass man seinen Glauben verliert. Gerade jetzt, wo verschiedene Krankheiten zuschlagen. Wir fragen uns, wie der Herr das erlauben kann.

Mit weltlichen Argumenten, Beweisen und Strategien können wir in solch einem Moment wenig erreichen. Aber genau hier ist unser wunder Punkt als Christen. Hier packt uns der Teufel, wenn er will. Hier versucht er uns zu verunsichern. Hier können wir leicht verzweifeln, insbesondere, wenn wir einen Nicht-Christen überzeugen wollen. Und darum soll es heute gehen - um den Glauben und wie wir vielleicht auch Nicht-Christen davon überzeugen können. Denn Glaube ist lebenswichtig.

Ich will mit einem Witz beginnen. Nicht, weil ich jetzt was Lustiges brauche, sondern weil dieser Witz deutlich macht, wie schwer es fallen kann, die Wege unseres Herrn zu erklären.

Nach dem Gottesdienst kommt ein bislang unbekanntes Gesicht zum Pastor: "Herr Pfarrer, das haben sie aber schön erzählt. Aber eines habe ich nicht verstanden: Wie hat Moses das ganze Volk durch das Schilfmeer bekommen? Warum sind die nicht alle ertrunken?" Da antwortete der Geistliche: "Wissen Sie, das Schilfmeer war damals gar nicht so gefährlich. Es war ein flaches Gewässer. Da konnten die Israeliten einfach so durchwaten." - "Hah", antwortete der Mann, "da hat Gott ja doch ein Wunder vollbracht!" - Verwundert fragt der Pastor nach: "Was denn für ein Wunder?" - "Na, wie hat der bloß in diesem flachen Wasser das ganze ägyptische Heer ertränkt?"

Ja, für uns Menschen ist es schwer, Gottes Werk zu erklären. Wir glauben an ihn und an das, was passiert ist, wir wissen es aber meist nicht, zumindest nicht in dem Sinne, dass wir genau erklären können, wie etwas passiert ist.

Der Glaube ist aber eine Verwirklichung dessen, was man hofft, ein Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht.

So definiert es der Hebräerbrief (11,1) . Glaube ist also etwas Unkonkretes, etwas, was man nicht sieht und nicht anfassen - nicht begreifen - kann. Das klingt erst einmal sehr abschreckend.

Aber in diesem Vers steckt mehr drin. Drei wichtige Punkte:

  • Glaube
  • Verwirklichung, in anderen Übersetzungen „fester Zuversicht“
  • Hoffnung

Wir haben eine Hoffnung. Und diese wird durch den Glauben verwirklicht. Der Glaube ist also ein Schlüssel, um unsere Hoffnung Wirklichkeit werden zu lassen. Doch welche Hoffnung wird zur Wirklichkeit? Da hilft uns das Johannes-Evangelium weiter - Johannes 3,16:

Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.

Mit Glaube ist also der Glaube an Jesus Christus gemeint. Unsere Hoffnung, die durch diesen Glauben an den Sohn Gottes verwirklicht wird, ist das ewige Leben.

Da sind wir schon ein ganzes Stück weiter. Weil wir an Jesus Christus glauben, können wir das ewige Leben erreichen. So wie er starb und auferstand, werden wir irgendwann unser altes irdische Leben zurücklassen und in neues, unvorstellbares himmlisches Leben für ewig haben.

Jesus selbst hat uns viel über den Glauben erzählt. Ein Beispiel: Mitten im Gedränge fasst ihn von hinten eine Frau an. Nicht, weil sie einmal den Star berühren wollte, sondern weil sie Bluterin war und daran glaubte, dass Jesus sie heilen könnte. In dem Moment, als sie ihn berührte, hörte der Blutfluss auf. Jesus selbst bemerkte die Kraft, die von ihm ausgegangen war - eine göttliche Kraft, keine menschliche. So drehte er sich um und fragte, wer ihn berührt habe. Die Frau fürchtete sich vor ihm und nach langem Zögern warf sie sich hin und gestand. Markus 5,34 - Jesus antwortete:

"Tochter, dein Glauben hat dich geheilt. Geh hin in Frieden und sei gesund von deinen Plagen."

Nicht sie, nicht Jesus - nein, ihr Glaube an Jesus und dessen Heilfunktion hat sie gesund gemacht. Der Glaube hat sie geheilt, genauso, wie uns dieser Glaube heute ewiges Leben verschafft.

Diese Frau und ihr Glauben - das war, als Jesus sozusagen körperlich da war. Heute ist der Glaube an ihn sicherlich schwieriger, da du und ich ihn nicht sehen können.

Doch solche Zweifel sind auch der Bibel nicht neu. Als Jesus den Jüngern nach seiner Kreuzigung - da war er ja nach Menschenverständnis eigentlich tot - nochmals erschien, da zweifelte Thomas, der nicht dabei gewesen war, an den Berichten der anderen Jünger, die ihn gesehen hatten (Johannes 20,25):

Wenn ich nicht an seinen Händen das Mal der Nägel sehe und nicht meinen Finger an das Mal der Nägel und meine Hand in seine Seite lege, glaube ich es nicht.

Acht Tage später erschien Jesus erneut und wandte sich direkt an Thomas, forderte ihn auf, die Hand in seine Hand zu legen und die Löcher abzutasten. Für Thomas der handfeste Beweis. Nun wusste auch er, der Herr war auferstanden.  Und Jesus entgegnete: "Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt; selig, die nicht sahen und doch glaubten." (Johannes 20,29)

Und genau in dieser Situation befinden wir uns heute. Wir können nicht sehen, aber wir können glauben.

Erinnern wir uns:

Der Glaube ist aber eine Verwirklichung dessen, was man hofft, ein Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht. (Hebräer 11,1)

Und wenn Du noch Zweifel hast, versuche einfach zu glauben, so wie es Millionen und Millionen mit dir machen. Es kostet ja nichts. Schaue, was aus deinen Hoffnungen und Wünschen wird. Und spreche mit anderen Gläubigen über deine Erlebnisse. Schon bald wirst Du merken, da ist jemand, der ist körperlich nicht da - zumindest siehst du ihn nicht -, aber er hilft.

Wer nicht glaubt, wird diese Hilfe gar nicht bemerken, denn er erwartet sie ja überhaupt nicht. Vielleicht wird er es als Zufall ab tun, wenn hier und da genau das passiert, was er braucht.

Du zweifelst noch immer? Du kennst jemanden der zweifelt statt zu glauben?

Unser Herr hat uns viele Hinweise gegeben, die einem den Weg zu ihm erleichtern sollen. Die Bibel ist eine  Ansammlung solcher Hinweise und Tipps. Manch einer mag sie für veraltet halten, was ja auch rein rechnerisch stimmt. Doch inhaltlich ist sie moderner als viele andere Ratgeber.

Wer erinnert sich noch an den Geschichtsunterricht? Der Grieche Herodot gilt "Vater der Geschichtsschreibung". Von ihm, dem alle seine Geschichten über die Geschichte glauben, gibt es  acht überlieferte Handschriften. Und diese wurden erst 1.300 Jahre nach ihm zu Papier gebrach. Vom Neuen Testament dagegen gibt es über 24.000 Handschriften. Die älteste wurde gut 300 Jahre nach den Ursprungsfassungen geschrieben. Selbst für historische Quellenkritiker ein deutliches Zeichen für die sehr ursprüngliche Fassung der Texte.

Und doch gibt es immer wieder Zweifler an der Bibel. Auch hier kann nachgeholfen werden. Wissenschaftlich, auf menschliche Art eben. Schwierig ist es für Archäologen und Historiker, Jesus Leben  und Wirken zu belegen. Er war – nüchtern gesagt - als Einzelperson unterwegs und hatte keinerlei Ämter der damaligen Zeit, die sein Leben in Monumenten, Städten oder gar auf Münzen wiederspiegelten. Er hinterließ keine materiellen Schätze. Das hatte er auch nie vorgehabt. Außerdem wurde er lediglich etwas über 30 Jahre alt. Aus wissenschaftlicher Sicht – nicht aus meiner –, ist es deshalb so verwunderlich, dass viele Quellen über ihn berichten. Nicht nur das Neue Testament, auch der Koran des Islams kennt ihn. Die Juden berichten über Jesus. Irgendetwas muss besonders an ihm gewesen sein.

Doch schauen wir einmal in das Alte Testament, eine wahre Fundgrube für die Archäologen. Eine Geschichte hat mich sehr begeistert.

Historiker hatten lange Zweifel, wie so eine befestigte Stadt wie Jerusalem durch König David erobert werden konnte. Die Bibel selbst schildert die Festung als kaum einnehmbar. Die Einwohner des Landes hielten David entgegen: "Du wirst nicht hereinkommen, sondern Blinde und Lahme werden dich abwehren." (2. Samuel 5,6). David konterte, in dem er sein Heer mit einer Aufgabe anheizte: "Wer die Jebusiter (die damaligen Bewohner) schlägt und durch den Schacht hinaufsteigt und die Lahmen und Blinden erschlägt, die David verhasst sind, der soll Hauptmann und Oberster sein." (2. Samuel  5,8)

Luther hatte ursprünglich das Hebräische Wort "Sinnor" – eigentlicht "Röhre" oder "Kanal" - mit "Dachrinne" übersetzt. In den heutigen Übersetzungen steht bereits "Schacht". Und diese Veränderung geht auf ein Erlebnis des englischen Captain Warren im Jahr 1867 zurück (erzählt nach Werner Keller, Und die Bibel hat doch Recht, Düsseldorf und Wien 1955, überarbeitet 1978). Er besuchte damals  die "Quelle der Jungfrau Maria" am Osthang Jerusalems im Kidrontal. Sie liegt in einem kleinen Gewölbe unterhalb einer Moschee. Warren entdeckte ein schwarzes unauffälliges Loch hinter der eigentlichen Quelle. Keiner konnte ihm erklären, was das bedeute. Offenbar war es noch niemanden aufgefallen. Er – ein geübter Alpinist – klettert hinein und folgte einem Gang. Vorsichtig und langsam steigt er immer weiter hinauf. Bald dämmert es vor ihm. Licht von oben. Warren entdeckt einen Raum voller alter Töpfe und Flaschen und - einen Spalt, durch den er die Höhle verlassen kann. Er steht kurz vor der Stadtmauer, die Quelle liegt tief unter ihm.

Diese Entdeckung wurde erst in den sechziger Jahren des vergangen Jahrhunderts in ihrer Wichtigkeit bestätigt. Die Archäologin Kathleen M. Kenyons entdeckte die Überreste einer viel älteren Stadtmauer, die tatsächlich aus vordavidischer Zeit stammte. Und die verlief unterhalb des von Warren viele Jahrzehnte zuvor genutzten Felsspaltes. Doch seine Entdeckung erklärte jetzt wie Davids Heer in die Stadt eingedrungen war: Unten in die Quelle, durch den Schacht – den "Sinnor", wie es im hebräischen Bibeltext heißt – hoch direkt hinter die uneinnehmbare Mauer.

Übrigens waren solche Brunnen früher weit verbreitet: Bis heute ist Wasser knapp in Israel. Die Städte lagen aber immer erhöht hinter festen Mauern, um sich besser verteidigen zu können. Andererseits musste man aber auch an die tiefer gelegenen Quellen kommen.  So wurden Gänge geschaufelt, die von der Stadt direkt ans Wasser führten. Allerdings waren sie meist von außen so gut getarnt, dass niemand sie finden konnte – anders damals in Jerusalem, dass so zur Stadt Davids wurde.

So lassen sich viele Bibelstellen auch wissenschaftlich belegen. Wer nicht glaubt, lässt sich vielleicht so von einzelnen Teilen der Bibel überzeugen.

Doch ohne Glauben geht es nicht weiter. Das Leben würde immer unvollständig und vor allem endlich bleiben.

Die Wissenschaft erklärt uns vieles. Auch, dass der Mensch vom Affen abstammt. Sicherlich mag das nach dem heutigen Kenntnisstand so sein. Schließlich wusste man auch lange, dass die Erde platt wie ein Teller war, bis wissenschaftlich das Gegenteil bewiesen wurde. Und bis heute hat mir noch niemand schlüssig erklärt, wie es denn mit der Unendlichkeit des Weltalls bestellt ist. Etwas Unendliches kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Vielleicht kann ich daran glauben, wie zum Beispiel an das ewige Leben, welches mir Jesus verspricht.

Wenn ich davon ausgehe, dass es Gott gibt, an ihn glaube, dann weiß ich, dass er uns als Menschen geschaffen hat. Und nicht nur uns, sondern alles was es gibt. Wenn er uns geschaffen hat, dann weiß er mehr, als wir. Ist es dann nicht etwas abgehoben, mit unserer menschlichen Wissenschaft Gott widerlegen zu wollen?

Wenn ich davon ausgehe, dass Gott nicht existiert, dass es keinen Superkonstrukteur gibt, der alles geschaffen hat, dann kann ich mich mit meiner Wissenschaft auf die Suche nach der Wahrheit machen. Doch ziemlich bald werde ich feststellen, dass ich noch immer nicht alles weiß. Dann muss ich forschen und prüfen. Auch in den Büchern, die bereits existieren und über Erlebnisse und Erkenntnisse berichten. An der Bibel werde ich dann kaum vorbeikommen, ist sie doch das in die meisten Sprachen übersetzte und am häufigsten gedruckte Buch weltweit. Und dann geht es mir vielleicht wie dem Captain Warren. Er hatte über seinen Gang berichtet, ohne dessen Bedeutung für die Bibel zu kennen. Erst die Wissenschaftler viele Jahre später konnten seine Erlebnisse und ihre Entdeckungen zusammenfügen und zu ganz neuen Erkenntnissen kommen.

Also, wenn du oder dein Nachbar nicht an Gott glauben oder auch nur kleine Zweifel da sind, dann forsche nach dem Herrn. Wenn kein Glaube vorhanden ist, der dir diesen Antrieb verleiht, dann vielleicht Forscherdrang. Lass dich überraschen, von dem was kommt.

Ich persönlich glaube an Jesus Christus. Und seitdem ich bewusst an ihn glaube, sind meine Augen viel offener für die vielen so genannten Zufälle des Lebens. Wenn ich mich mit anderen austausche, merke ich, dass hinter unserem Leben mehr steht, als nur zufällig durch die Straßen zu laufen. Der Herr hat ein Ziel für jeden von uns: in dem wir an ihn Glauben, uns ihm hingeben, erreichen wir das ewige Leben, ohne Schuld und Sünde, voll Gerechtigkeit und Schutz.

Doch bis dahin gilt: Der Glaube ist aber eine Verwirklichung dessen, was man hofft, ein Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht. (Hebräerbrief 11,1).

Glaube bleibt für uns lebenswichtig.
 

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